Rippenknochenstück des Chirotheriums

Vergessene Schätze wiedergefunden

von Gottfried Böhme

Diese Steine sind nicht einfach Steine, sondern Bruchstücke von Rippen eines urzeitlichen Reptils. Sie wurden zwar schon 1836 gefunden, dann aber 150 Jahre lang vergessen. Die Rippen stammen aus einem Steinbruch bei Hildburghausen im Süden Thüringens. In dem hier abgebauten plattigen Sandstein waren zwei Jahre zuvor die Fußabdrücke von Sauriern entdeckt worden, die vor etwa 245 Millionen Jahren entstanden waren. Dieser Fährtenfund ließ damals Wissenschaftler in ganz Europa aufmerken, so beispielsweise den berühmten Naturforscher Leopold von Buch, der bereits im Februar 1835 in Berlin darüber berichtete. Im Gegensatz zu den Fährten gerieten die Rippenbruchstücke allerdings in Vergessenheit. Noch dazu waren die im gleichen Zeitraum gefundenen weiteren Skelettreste zum Boden eines Ofens vermauert worden. Insofern gaben die Fährten erhebliche Rätsel auf: Was waren das für Tiere, die hier ihre Spuren hinterlassen hatten? Es blieb nichts anderes übrig, als die Gestalt und das Aussehen dieses urzeitlichen Reptils ausschließlich aus den Fährten und dem Bewegungsverlauf zu rekonstruieren. Man nannte das so erdachte Tier Chirotherium.

Tatsächlich waren die Rippenbruchstücke 1836 durch Christian Samuel Weiss, den ersten Professor für Mineralogie der Berliner Universität, zusammen mit Fährtenplatten angekauft worden. Weiss selbst war nach Hildburghausen gereist, hatte die Fundstelle angesehen und aus den angebotenen Platten eine Auswahl für die Berliner Sammlung getroffen. Noch 1986 wurde festgestellt, dass man „bisher noch nicht ein einziges Knochenstück“ in dem Chirotherien-Sandstein von Hessberg gefunden habe. Erst ein Jahr später wurden die Rippen in den paläontologischen Sammlungen des Museums für Naturkunde wieder entdeckt.

Zwar können die Rippenbruchstücke nicht dazu beitragen, die Gestalt des Chirotheriums genauer zu rekonstruieren. Allerdings sind sie ein Beweis dafür, dass in den Sandsteinschichten aus dieser Zeit auch Knochen erhalten bleiben konnten. Sie zeigen auch, dass die frühen Berichte über Knochenfunde – zum Beispiel im alten Ofen – vertrauenswürdig sind.

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