Das Gemeine Perlboot ist die am häufigsten vorkommende Art der Nautilusse, die zur Familie der Kopffüßer gehören. Außer Nautilus pompilius gibt es noch fünf bis sechs weitere rezente, also lebende Arten von Perlbooten.

Streit um Nautilus

von Elisa Schmitt

Dass an diesen Südseebewohnern eine ganze Forschungsstation scheiterte, war lange unbekannt. Seit 1896 ruhen sie friedlich im Museum, doch an ihre Geschichte knüpft sich ein folgenreicher Streit.

Die Präparate des Kopffüßers Nautilus pompilius gehören zu den ältesten ihrer Art in der Weichtier-Sammlung des Museums. Der Zoologe Friedrich Dahl sammelte sie im Bismarck-Archipel, damals Deutsch-Neuguinea. Sie entzweiten zwei der wichtigsten Biologen ihrer Zeit und führten schließlich zum Misslingen eines außergewöhnlichen Projektes.

Wissenschaftliche Expeditionen in ferne Länder waren im 19. Jahrhundert noch ein großes Abenteuer. Tropenkrankheiten, feindliches Klima und Konflikte mit der indigenen Bevölkerung erwarteten die Forscher in den kaum kartierten Gegenden. Als Richard Parkinson, ein Händler und Plantagenbesitzer in der „deutschen Südsee“, einen Artikel des Biologen Anton Dohrns, Gründer der modernen meeresbiologischen Station Neapel, las, erkannte er seine Chance, einen Beitrag zur Forschung zu leisten. Parkinson gewann Dohrn für seinen Plan: eine dauerhafte Forschungsstation nach dem Vorbild Neapels auf seiner Plantage Ralum. Jahre der Vorbereitung folgten, modernste Instrumente wurden herangeschafft, Labore errichtet, bis es schließlich so weit war: Ralum war bereit für seinen ersten Forscher. Dohrns Freund Karl Möbius, Direktor des Zoologischen Museums in Berlin, gefiel das Projekt, und er empfahl seinen Schüler Friedrich Dahl. Dahl reiste nach Ralum und schickte ein Jahr lang alles, was ihm in die Falle, ins Netz oder vor die Flinte kam, nach Berlin. In allen Kustodien des Museums findet sich bis heute Dahls Material – so auch diese Nautilusse.

Doch gerade an Objekten wie diesen scheiterte Ralum schließlich. Zwischen Möbius und Dohrn entbrannte ein bitterer Streit: Dohrn wollte alle Meerestiere für seine Forschung, immerhin war er Initiator und ein wichtiger Geldgeber des Projektes. Doch Möbius blieb stur, alles sollte ausnahmslos nach Berlin gehen. Er berief sich auf dabei auf ein Gesetz, nach dem alles, was im Auftrag von Einrichtungen des Deutschen Reiches in den Kolonien gesammelt wurde, Reichseigentum war. Dohrn war zutiefst erzürnt und verlor das Interesse an Ralum. Dahl blieb der Einzige, der je dort arbeitete. Ein Projekt, seiner Zeit weit voraus, scheiterte am Streit zweier Wissenschaftler um Objekte wie Nautilus pompilius.

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