Tiefseeanglerfisch Melanocetus krechi von der Valdivia Expedition, Typusexemplar

Aus der Tiefsee ins Schulbuch

von Peter Bartsch

Klein und rundlich und selbst eher wenig manövrierfähig – und doch ein Meister seines Fachs. Der Zoologe und spätere Museumsdirektor August Brauer wird sich bei der Beschreibung des kleinen „Schwarzanglerfisches“ ein Schmunzeln nicht versagt haben. Gefangen wurde das Exemplar östlich von Sansibar, mit einem Vertikalnetz in 1500 bis 2500 Metern Tiefe, Station 239, 5°42‘ Süd, 43°36‘ Ost, am 13. März 1899 um 5 Uhr morgens. Adalbert Krech, Kapitän Seiner Majestät Schiff Valdivia, war schon vor der Übernahme des Kommandos auf diesem Forschungsschiff der Deutschen Tiefsee-Expedition ein international geachteter und hochdekorierter Kapitän. Die große Genauigkeit seiner Navigation und seine ausgezeichnete Seemannschaft beim schwierigen Manövrieren von Schlepp- und Schwebenetzen hat sicher viel zum Gelingen dieser Expedition beigetragen. Eine Expedition, die so bedeutend für die biologische Wissenschaft wie für unsere allgemeine Bildung gewesen ist.

Vielen von uns wird die Lithographie des Tierchens, welche in Brauers systematischer Beschreibung der Tiefseefische der Valdivia-Expedition von 1906 erstmals erschien, aus Lexika oder aus Schul- und Lehrbüchern vertraut sein. Bis heute oft nach- und umgezeichnet, hat dieses Abbild Eingang in die Vorstellungswelt der Menschen gefunden. Es steht für jene unergründlichen Tiefen der Ozeane, zeugt von einer Lebenswelt jenseits der unseren, voll skurriler, noch unverstandener Wesen. Druckentlastet und bei 27,9 °C warmer Wassertemperatur verstarb es schnell in seinem Aquarium an Deck. Überrascht ist, wer die wahre Größe des Tiefseeungeheuers erfährt, das Zähne starrend lauert in dunkler Tiefe, unbedachte Beute mit seiner lumineszierenden Laterne lockend: es ist keine zehn Zentimeter groß. Es ist übrigens ein Weibchen.

Ebenfalls von Peter Bartsch: Eine merkwürdige Skulptur.

Weitere Fundstücke der Valdivia-Expedition: Wertvoller Dreck in schönem Glas.

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