Fossiler Schachtelhalm

Der Leibarzt und das Fossil

von Barbara Mohr

Er zählt 200 Millionen Jahre und ist auf den Namen seines Sammlers getauft. Nur scheinbar unscheinbar ist dieser alte Schachtelhalm. Die gegliederte Achse mit den schmalen, quirlig an Knoten ansitzenden Blättern entspricht im Wesentlichen dem Bauplan unserer Schachtelhalme. Das Fossil ist jedoch deutlich größer als heutige Arten. Bei gärtnernden Zeitgenossen gilt der Schachtelhalm wegen seiner unterirdisch kriechenden Sprosse als unausrottbares Unkraut. Doch trotz seines schlechten Rufs ist der heutige Ackerschachtelhalm in der Heilkunde für seine positive Wirkung bei Entzündungen bekannt, ebenso als Schmirgelmittel für Zinngeschirr – daher auch sein Name „Zinnkraut“.

Das Fossil Neocalamites schoenleinii war Teil einer Schenkung des Bamberger Arztes Johann Lucas Schönlein an die Berliner Universität und gelangte dadurch in den 1860er Jahren an das Museum für Naturkunde. Schönlein zeigte schon früh Interesse an der Erdgeschichte. Während seiner Studienzeit sammelte er in der Umgebung Würzburgs fossile Pflanzen. Er fand sie in Gesteinsschichten, die durch Flüsse in der Trias-Zeit vor mehr als 200 Millionen Jahren abgelagert worden waren. Diese Schichten prägen heute weite Teile der fränkischen Landschaft im Süden Deutschlands. Sie bezeugen zudem, dass zu dieser Zeit eine reiche Vegetation aus riesigen Schachtelhalm-Gewächsen, Farnen, Palmfarnen und Nadelbäumen die Umgebung bedeckte.

1839 wurde Schönlein an die Charité und als Leibarzt der königlich-preußischen Familie nach Berlin berufen. Nach seiner Pensionierung 1859 zeichnete er seine Fossil-Funde und ließ sie auf 13 Tafeln als Lithografie drucken. Der Leipziger Paläontologe August Schenk verfasste nach Schönleins Tod 1864 einen ergänzenden Text und veröffentlichte das Werk 1865. Die hier gezeigte Schachtelhalm-Art benannte er zu Ehren Schönleins. Als so genanntes Typus-Exemplar ist es die Grundlage zur Definition dieser paläobiologischen Art. Es ermöglicht den Nachweis einer viele Millionen Jahre existierenden Pflanzenfamilie und ist damit ein wertvoller Bestand des Museums.

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