Das Bild des Stifters hängt im Mineraliensaal der Museumsausstellung.

Gestiftet und verewigt

von Carsten Kretschmann

Wer ist denn dieser Mann dort? Was hat der würdige Herr im Gehrock, mit Glacéhandschuhen und Pelzkragen, im Mineraliensaal zu schaffen? Und warum stößt man im Museum für Naturkunde überhaupt auf ein Ölporträt? Carl Rumpff, um den es sich hier handelt, kennt heute niemand mehr. Zu seiner Zeit war er weithin geachtet – als Teilhaber der Farbenfabriken Friedrich Bayer & Co., der späteren Bayer AG, aber auch als einflussreicher Sammler und Mäzen. So hatte Rumpff, für den Geld keine Rolle spielte, in den 1860er Jahren die berühmte Mineraliensammlung des Erzherzogs Stephan Viktor erworben, um sie vor dem Verkauf ins Ausland zu bewahren.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1889 bot Clara Rumpff diese Sammlung dem frisch eröffneten Museum für Naturkunde als Geschenk an, formulierte allerdings drei Bedingungen. Erstens sollte die Sammlung in Gänze der Öffentlichkeit gezeigt werden. Zweitens sollte sie den Namen „Erzherzog Stephan-Rumpffsche-Sammlung“ führen. Und drittens sollten in den entsprechenden Sälen die Porträts sowohl des Erzherzogs als auch ihres Mannes gezeigt werden, und zwar in Lebensgröße. Alles in allem ein erheblicher Eingriff in die Gestaltung der Schausammlung. Doch so gravierend diese Bedingungen wirkten, außergewöhnlich waren sie nicht. In Erinnerung zu bleiben, in den Objekten gleichsam fortzuleben, ist bis heute ein wesentliches Motiv vieler Schenkungen. Immer wieder hatten Stifter und Spender den Wunsch, ihre Sammlung ungeteilt aufzustellen – und immer wieder blieb er unerfüllt. Das moderne Museum vertrug keine Sonderinteressen.

Auch Clara Rumpff konnte sich am Ende nicht durchsetzen. Nach nervtötenden Verhandlungen wurde schließlich vereinbart, allein ausgewählte Mineralien auszustellen. Zudem sollte der entsprechende Saal erst dann den Namen des Verstorbenen tragen, wenn der Anteil der Rumpffschen Objekte mindestens ein Drittel betrage. Am Ende lag er zwar deutlich unter dieser Grenze, doch zeigte sich das Museum entgegenkommend: „Vereinigte Staats- und Erzherzog Stephan-Rumpffsche-Sammlungen“ prangte über dem Eingang zum Mineraliensaal. Und Carl Rumpff blickt noch heute wohlgefällig auf die Besucher.

Kommentare

  1. Karl-Oskar Schumacher schrieb

    Carl Rumpff wurde ausweislich vorliegender Mitgleidsverzeichnisse am 11.04 1877 in die Freimaureloge “Hermann zum Lande der Berge” in Elberfeld (heute Wuppertal-Elberfeld) aufgenommen dort und am 08.01.1880 zum Meister erhoben.

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