Insektenkasten, unter anderem mit verschiedenen Arten Mycetophila, den Pilzliebenden

“Und der Mensch gab Namen allem Vieh…”

von Georg Toepfer

Adams erste Handlung im Paradies war das Benennen der Tiere. In dem Verleihen eines Namens liegt viel: die Anerkennung eines Gegenübers, die Hoffnung einer Wiederbegegnung, die Schaffung von Ordnung. Naturkundemuseen institutionalisieren diesen Akt der Benennung: Sie sind die Orte, an denen die biologische Vielfalt archiviert, benannt und ausgestellt wird.

Insektenkästen werden dagegen im Verborgenen gehalten. Und doch beherbergen sie die größte Vielfalt des Lebendigen. Das wusste schon Carl von Linné, der „zweite Adam“, wie ihn sein Zeitgenosse Albrecht von Haller in Anspielung auf den biblischen Schöpfungsbericht nannte: In der zehnten Auflage von Linnés Natursystem aus dem Jahr 1758 machen die 2.000 beschriebenen Insektenarten die Hälfte aller Tierarten aus. Bis in die Gegenwart, in der über eine Million Insektenarten unterschieden werden, wuchs ihr Anteil auf zwei Drittel aller Tierarten.

Eine große Ordnung der Insekten sind die Fliegen, eine große Familie der Fliegen die Pilzmücken, von denen in diesem Kasten einige versammelt sind. Ihre wissenschaftliche Bezeichnung geht auf den Namen einer Gattung zurück, den Johann Wilhelm Meigen 1800 einführte: Mycetophila, die Pilzliebenden. Meigen lieferte für die Klassifikation der Arten wichtige Beiträge, sein Ansatz, für diese Klassifikation nicht nur auf die Merkmale weniger Körperteile wie Mundwerkzeuge zurückzugreifen, sondern den ganzen Komplex an Merkmalen zu berücksichtigen, revolutionierte darüber hinaus die Systematik der Fliegen und machte ihn zum „Vater der Fliegenkunde“.

Schon Linné bezeichnete den Vorgang des Benennens als Bestimmung. In dem ursprünglichen Akt der Bestimmung, der Taufe eines Tieres, wird eine Art von anderen abgegrenzt und es werden die Merkmale festgelegt, die dieser Abgrenzung zugrunde liegen. Es wird also zugleich die Artzugehörigkeit eines Objekts und die Grundlage seiner Kategorisierung bestimmt. Das ist eine wesentliche Aufgabe von naturhistorischen Museen: Sie leisten einen Beitrag zur Festlegung der Kategorien, mit denen wir die Natur in Klassen, Ordnungen und Arten gliedern und sie sagen uns von jedem einzelnen Wesen, in welche Gruppe es gehört.

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