Diese Peruanische Dinosaurier-Ameise ist von einem parasitären Pilz befallen, der sogenannten Kernkeule

Pilze im Kopf

von Christina Kuhlmann

Eigentlich hat eine Ameise sechs Beine, zwei Fühler und, wenn es ein sogenanntes Geschlechtstier ist – eine Königin oder ein Männchen –, vier durchsichtige Flügel. Bei diesem Tier ist das anders. Zusätzlich zu den bekannten Extremitäten ragen noch zwei lange Strukturen von den Hüften des ersten Beinpaares nach vorne. Hat ihr etwa jemand einen Draht durch die Brust gezogen und diesen an den Enden mit braunen Bürsten versehen?

Diese Große Peruanische Dinosaurier-Ameise, eine Vertreterin der Urameisen (Dinoponera), wurde bei der Bestimmung mit der 24-Stunden-Ameise verwechselt, einer weiteren Urameise, deren Stich zu den schmerzhaftesten der Welt zählt. Das Gefühl des inneren Verbrennens soll erst nach 24 Stunden nachlassen, daher der Name. Beide Arten gehören mit einer Größe von 3 cm zu den größten Ameisen der Welt. Der Stich dieser Dinoponera schmerzt allerdings nur wie der einer Honigbiene und lässt nach 2-10 Minuten nach. Das erklärt aber immer noch nicht die merkwürdigen, an Pilze erinnernden Strukturen.

Pilz ist hier auch das richtige Stichwort. In den Urwäldern Südamerikas leben seltsame Vertreter von Schlauchpilzen, die sogenannten Kernkeulen. Kernkeulen befallen mithilfe ihrer Sporen verschiedene Lebewesen wie z.B. Trüffel, Heuschrecken und auch Ameisen. Die einzelnen Arten haben sich auf bestimmte Wirte spezialisiert. Eine Art wächst beispielsweise im Körper einer Ameise heran und programmiert deren Verhalten radikal um. Die Ameise krabbelt torkelnd und desorientiert an Pflanzen in die Höhe, wo beste Voraussetzungen für die weitere Entwicklung des Pilzes herrschen. Dort oben an den Blättern beißt sich die Ameise fest. Nach einer Weile wächst der Fruchtkörper des Pilzes wie eine Antenne aus ihrem Hinterkopf und verteilt seine Sporen. Um sich vor diesen zu schützen, meiden gesunde Ameisen Gegenden, in denen der Pilz sich verbreitet hat. Ihre infizierten Geschwister tragen sie ohne zu zögern weit von ihrem Nest weg.

So ähnlich wird es wohl auch dieser Dinosaurier-Ameise ergangen sein: Nachdem der Pilz ihren ganzen Körper durchwuchert hatte, verstarb sie und die Fruchtkörper brachen an ihren Schultern durch die zarte Gelenkhaut. Jetzt ist sie Zeugnis einer Interaktion zweier sehr unterschiedlicher Lebewesen und hinterlässt in der Sammlung nicht nur Geschichten für Taxonomen, sondern auch für Ökologen.

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