Schwalbenfische gehören zur Familie der Fliegenden Fische und kommen im Atlantik und im Mittelmeer vor.

Flug der unheiligen Kreaturen

von Yvonne Maaß

November 1815. Stürmischer Wind herrscht am nördlichen Wendekreis. Das Schiff Rurik hat Santa Cruz soeben verlassen. Seit Monaten schaukelt es auf den Wellen des Meeres, das für die Expeditionsteilnehmer drei Jahre lang Abenteuer und Herausforderung bedeuten wird.

Plötzlich klatschen unbekannte Kreaturen gegen den Holzrumpf des Schiffes. Den abergläubischen Matrosen aus dem Norden verkünden sie großes Unheil! Die Kreaturen haben den Körper eines Fisches, aber die Flügel eines Vogels. Sie kommen sogar an Deck des Schiffes geflogen, wo sie, außerhalb des Wassers nunmehr flugunfähig, zappelnd und laut auf das Holz knallen. Die Matrosen überkommt das kalte Grauen – eine solche „Umkehrung der Natur“ haben sie noch nie gesehen. Sie nehmen eines der Geschöpfe und zerschneiden es stillschweigend. Die blutigen Stücke werfen sie – um das vermeintliche Unheil abzuwenden – bedächtig in alle Richtungen ins Meer.

An Bord des Schiffes befinden sich neben der Besatzung auch der Naturforscher Adelbert von Chamisso, der Schiffsarzt Johann F. Eschscholtz und der Maler Louis Choris. Alle drei sind in der Naturkunde bewandert. Während der Expedition sammeln, konservieren, beschreiben und zeichnen sie verschiedene, vor allem in Europa unbekannte Arten für botanische und zoologische Studien. Die fliegende Kreatur ist Chamisso damals schon als Exocoetus volitanz [evolans], der Fliegende Fisch, eine durch Linné beschriebene Art, bekannt. Der Mannschaft kann er so erklären, dass die Flugwerkzeuge der Fische umgebildete Flossen sind, mit denen sie sich vom Wasser abstoßen. In seiner Reise um die Welt schreibt Chamisso über den Bau und den Flug der Fische. Da sie auf dem flachen Meer keine Hindernisse hätten, so Chamisso, bräuchten sie auch das präzise Auge des Vogels nicht. Auf die Schiffe fielen sie eben, weil diese ihren sonst freien Flug behinderten.

Je länger die Matrosen unterwegs sind und je südlicher die Expedition vordringt, desto häufiger begegnen sie den Fliegenden Fischen, die sie als wohlschmeckende Speisen schätzen lernen.

Chamisso konservierte als Naturforscher der Weltumsegelung zwei Exemplare als Flüssigpräparate in „Weingeist“. Nur noch eins der zwei Exemplare, die er von den Marshall-Inseln (Radack) mitbrachte, ist bis heute – fast 200 Jahre später – erhalten geblieben.

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