Dieser montierte Tukan ist schon seit fast 200 Jahren in Berlin zu finden. Gesammelt und ans damalige Zoologische Museum gesandt wurde er von dem Brasilienforscher Friedrich Sellow.

Federn für den Kaiser

von Miriam Junghans

Rio de Janeiro, 1. Dezember 1822: Dom Pedro I. besteigt den Thron als erster Kaiser des unabhängigen Brasiliens. Nicht nur dieses Ereignis, auch die damit verbundene Symbolik sorgte für Aufsehen. Der Kaiser zeigte die neuen Nationalfarben. Sein Ornat: ein smaragdgrüner Mantel, geschmückt von einem goldgelben Kragen, kunstvoll gefertigt aus den Brustfedern hunderter Tukane. Das Grün der brasilianischen Braganças und das Gelb der Habsburger symbolisierte die Vereinigung zweier Dynastien.

Der Tukan, von dem diese Geschichte erzählt, scheint nicht an dieser Zeremonie teilgenommen zu haben, denn er besitzt noch all seine prachtvollen Federn. Hier im Museum zeugt er von der Schönheit Brasiliens, aber auch von Tod und Mysterium. Nach Berlin kam er durch den Naturforscher Friedrich Sellow, der zwischen 1814 und 1831 Brasilien bereiste. Dieses Exemplar des Ramphastos ariel – wie die Vogelkundler den Tukan nennen – fand er im Südosten des Landes und schickte ihn an das Zoologische Museum, wo er aufgestellt wurde. Mit seinen wundervollen Farben und dem abenteuerlichen Schnabel wurde der Tukan – ähnlich Aras und Paradiesvögeln – zum Inbegriff des Exotischen und entführte Museumsbesucher gedanklich in ferne Länder.

Friedrich Sellow durchstreifte das Land und trug für die Berliner Sammlungen naturkundliche Objekte zusammen. Auch die Kunstgegenstände und Sprachen der Ureinwohner interessierten ihn. Ständig unterwegs, immer vom Wunsch beseelt, eines Tages seine Heimat wiederzusehen, veröffentlichte Sellow nie etwas über die ungeheure Menge Material, die er gesammelt hatte. Nach 17 Jahren unermüdlichen Reisens ertrank er im Oktober 1831 in den Stromschnellen des Rio Doce.

Bis heute ist sein Tod ungeklärt. Wie konnte ein Mann, der an alle Widrigkeiten der Umwelt gewöhnt war, auf diese Weise ums Leben kommen? War es tatsächlich ein Unfall? Wurde er getötet oder brachte er sich um? Lange Zeit wusste man wenig über Sellows Leben. Heute rekonstruieren Wissenschaftler wie ich die Geschichte seines Lebens und die Herkunft seiner Sammlung. Dieser Tukan mit seinen Farben und Federn erzählt uns von Sellows Werk. Der Vogel verleiht dem Preußen eine Stimme, der mit Ausdauer unter unvorstellbaren Schwierigkeiten eine Welt erforschte, die uns immer noch zum träumen bringt: Brasilien.

Ihr Kommentar

  • (wird nicht veröffentlicht)