Dermoplastik von Gorilla Bobby im Museum für Naturkunde

Erinnerungen an Bobby

von Dagmar Behrendt

Da ich Jahrgang 1925 bin, habe ich den Gorilla Bobby noch persönlich zu seinen Lebzeiten im Berliner Zoo gekannt. Er war seinerzeit schon ein Liebling der Berliner und zog viele Besucher an. Auch wir haben den Zoo öfter besucht, weil auch eine kleine Vorstellung unter seiner Mitwirkung stattfand. Das wurde, soweit ich mich erinnere, immer in einem größeren Eckkäfig dargeboten und ich hatte das schon einmal bei einem Besuch gesehen.

An einem Tag im Herbst 1934 waren wir wieder im Zoo und gingen zu der angesetzten Zeit zur Vorführung mit Bobby. Zuerst kamen einige Schimpansen, welche auf kleinen Rollern durch den Käfig fuhren, danach an einem derben Tisch von kleinen Tellerchen etwas aßen, dann kam Bobby. Nach einem kurzen Anfang sollte auch er etwas essen, aber er weigerte sich, das Dargebotene einzunehmen. Der Wärter (wie man damals sagte) versuchte nochmal, ihn zum Essen zu überreden. In diesem Moment machte Bobby eine Abwehrbewegung und stieß seinen Pfleger von sich. Das war nur Sekundensache. Der Pfleger flog ein Stück durch den Käfig, glücklicherweise bis vor die Durchgangsluke und wurde von Kollegen aus dem Käfig gezogen. Das habe ich noch gesehen. Der ganze Vorfall hatte insgesamt nur wenige Minuten gedauert. Alle Besucher waren sehr erschüttert und entfernten sich umgehend. Bobby hat danach keine lange Lebenszeit mehr gehabt, denn er war erkrankt, was man aber nicht wusste, da er sich vorher nichts anmerken ließ.

Er war eine große Besonderheit im Vertrauensverhältnis zu seinem Pfleger und hätte ihm ohne Schmerzen nie ein Leid zugefügt. Weil er nichts essen wollte, glaubte man zuerst an eine Zahn- oder Kiefererkrankung, erst spätere Untersuchungen ergaben als Todesursache eine schwere Blinddarmentzündung, welche sich an dem Tag des Geschehens wahrscheinlich schon bemerkbar gemacht hatte.

Er starb 1935. Die Berliner waren über den Verlust des Berliner Zoo und ihres Bobby sehr bestürzt und traurig. Er hat daher auch die ihm gebührende Wertschätzung erfahren, im Museum für Naturkunde sein Eckchen zu haben, um die Besucher zu erwarten.

So war ich dann auch vor einer gewissen Zeitspanne im Museum und habe in Bewunderung seiner Stärke und seiner Menschen gegenüber gezeigten Sanftmut und auch mit traurigen Gedanken um sein Leiden Abschied von ihm genommen.

Berlin, den 14.01.2014

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