Tritonshorn, ein Ausstellungsstück der ersten Stunde, denn bereits 1889 zur Eröffnung des Museums wurde dieses Stück dem Publikum präsentiert.

Eine Schnecke wie aus dem Lehrbuch

von Jutta Helbig

Das Tritonshorn ist mit seinem teils bauchigen, teils kegelförmigen Äußeren von besonders reizvoller Gestalt. Es verdankt seinen Namen der griechischen Meeresgottheit Triton, die auf dem gewundenen Gehäuse blasend die Wogen des Meeres aufzuwühlen und zu beruhigen vermochte. Das Tritonshorn ist senkrecht auf einem Sockel aufgesetzt und wird durch Kärtchen beschriftet, die jeweils von dünnem, direkt an der Schale befestigtem Draht gehalten werden. Feine Rippen überziehen die vorwiegend glatte Oberfläche der Schnecke. Der bräunliche Farbverlauf scheint auf dem Weiß der Oberfläche in vertikaler wie horizontaler Richtung zu verschwimmen, so dass eine Art Marmorierung entsteht. Die Schönheit des Tritonshorns ist unverkennbar und doch ist seine ästhetische Wirkung durch die direkt am Präparat angebrachte Beschriftung maßgeblich beschnitten.

Dieses Tritonshorn war Teil eines ausgefeilten Ausstellungskonzepts von Karl August Möbius, der als Direktor der zoologischen Sammlung 1889 die erste Ausstellung im neu eröffneten Berliner Naturkundemuseum verantwortete. Möbius wusste um die ästhetische Wirkung der Objekte. Dementsprechend sollten sie so angeordnet werden, dass das Schöne und der Reichtum tierischer Formen hervortraten, wodurch sie zur Bildung des Schönheitssinns der Besucher beitragen sollten. Sein oberstes Ziel bei der Gestaltung der Ausstellung war jedoch die Belehrung des Publikums. Er ging davon aus, dass jeder Mensch von Natur aus getrieben sei, sich selbst zu belehren und das Verhältnis der wahrgenommenen Gegenstände zueinander kennenzulernen. Dieser Trieb sollte im Museum durch die Konstellation der Objekte und deren Anreicherung mit Hilfsmitteln wie Tafeln, Karten und Bildern befriedigt werden. Möbius zielte daher auf eine Präsentation ab, die es den Besuchern gestattete, sich auf visueller Basis selbständig Wissen anzueignen. Zur Umsetzung dieses Ziels wurden im Falle des Tritonshorns feine Bohrungen am Präparat vorgenommen, um das Anbringen der Drähte zu ermöglichen. Die Beschädigung des Objekts lässt erkennen, dass die naturwissenschaftliche Belehrung des Publikums deutlich über dem Wunsch stand, demselben die Schönheit und Pracht der Natur näherzubringen.

Ihr Kommentar

  • (wird nicht veröffentlicht)