Übersinterte Mariendistel, ein versteinerter Blumenstrauß der als Souvenir hergestellt wurde

Ein versteinerter Blumenstrauß

von Gottfried Böhme

Wie kommt ein „versteinerter“ Blumenstrauß in eine geowissenschaftliche Sammlung? Dieser kleine Strauß ist rundum von rotbraunen Mineralkrusten umgeben. Was hat dieses überaus merkwürdige Objekt zu bedeuten?

Die Nummer 687, die auf dem Objekt angebracht ist, legt es nahe, in den alten Katalogen der geologisch-paläontologischen Sammlungen nach Hinweisen zu suchen. Und tatsächlich findet sich im Index Petrefactorum, einem handschriftlichen Katalog, der zunächst fälschlicherweise auf das Königliche Mineralienkabinett bezogen wurde, in der Rubrik „Viertes Geschlecht. Incrustata, Ueberzogene Sachen, Karlsbader Ueberz.“, der Eintrag „687. eine übersinterte Mariendistel“.

Allerdings stellte sich bald heraus, dass im Index Petrefactorum nicht die Königliche Mineraliensammlung inventarisiert wurde, sondern Sammlungen der 1773 gegründeten Gesellschaft Naturforschender Freunde Berlin, die im Verlauf des 19. Jahrhunderts vom Museum für Naturkunde übernommen worden waren.

Der Eintrag lässt folgende Schlüsse zu: Die Mariendistel wurde in Karlsbader Thermalquellen mit einer Mineralkruste überzogen. Diese Karlsbader Quellen haben ihren Ursprung in der geologischen Situation am Südrand der Erzgebirgsscholle, die auch zu vulkanischen Erscheinungen führte. Sie sind noch heute in den heißen Quellen zu spüren. Gewässer dieser Art beinhalten aufgrund hoher Temperaturen viele gelöste Minerale. Wenn das Wasser an der Oberfläche abkühlt und andere Objekte in das Wasser geraten, kann es an ihnen zur Ausfällung der gelösten Minerale, hier zum Beispiel Aragonit und Eisenhydroxid, kommen. Es ist wahrscheinlich, dass solche Inkrustate als Beispiele für die Entstehung von Versteinerungen dann in die Geologische Lehrsammlung gelangten.

In den bekannten warmen Mineralquellen von Karlsbad (dem heutigen Karlovy Vary, Tschechische Republik) wird dieser Vorgang bis heute zur Herstellung von inkrustierten Pflanzen als Souvenirs genutzt. Und eines dieser Andenken hat durch Umstände, die wir nicht mehr vollständig nachvollziehen können, seinen Weg in das Museum für Naturkunde gefunden.

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