In diesen drei extra zu diesem Zweck angefertigten Schränkchen wurde bis zum Beginn der Sammlungsrestaurierung die über 4000 Spezies umfassende Wassermilbensammlung von F. Koenike aufbewahrt.

Ein Schrein für Wassermilben

von Anja Friederichs

Ungeliebte Tiere mit sechs Buchstaben? – Milben.

Und doch gibt es Menschen, die sich für ungeliebte oder unbekannte Mitbewohner unserer Welt interessieren – wie der Wassermilbenforscher Ferdinand Koenike. Seine einzigartige Sammlung hat er dem Museum überlassen – eine Sammlung, die es in dieser Größe nur hier gibt. Koenikes Liebe zu den Wassermilben fand in vielen neu entdeckten Arten und zahlreichen Veröffentlichungen ihren Ausdruck, darüber hinaus hat er etliche Präparate für andere Museen angefertigt. Um seine Sammlung angemessen aufzubewahren, ließ er diese drei wunderschönen Schränkchen anfertigen. Die Sorgfalt und der Detailreichtum dieses „Schreins″ sind etwas Besonderes in unserer Sammlung. Leider hat er jedoch einen Wasserschaden erlitten.

Ein Großteil von Koenikes Milben stammt aus Europa, meist aus Deutschland. Es sind aber auch Tiere aus Madagaskar, Indonesien und Nordamerika dabei. Weiterhin enthält seine Sammlung Präparate anderer großer Wissenschaftler. Besonders die Exemplare von Sig Thor stellen eine Seltenheit dar, da dieser seine Sammlung nach seinem Tode vernichten ließ. Daher sind nur solche Exemplare erhalten geblieben, die in anderen Sammlungen untergebracht waren.

Derzeit wird die Koenike-Sammlung aufgearbeitet, um sie der Wissenschaft zugänglich zu machen. Dazu werden alle Präparate mit dem Tagebuch von Ferdinand Koenike abgeglichen. Dabei wird überprüft, wie vollständig die Sammlung ist und nach den jeweiligen Einbettungsrezepten der Präparate geforscht, was für eine Umbettung wichtig ist. Alle ca. 4000 Präparate sind von Koenike selbst mit von ihm entwickelten Einbettungsmitteln angefertigt, deren Rezepturen er in seinem Tagebuch hinterlassen hat. Ein Teil der Rezepturen wird heute noch so verwendet. Anschließend wird der Zustand der Präparate fotografisch dokumentiert und eine Reihenfolge für das Umbetten der Tiere nach Dringlichkeit erstellt. Schließlich werden die Tiere umgebettet, also aus dem alten Präparat gelöst und in das neue, jeweils passende Einbettungsmittel umgesetzt. In einem letzten Schritt sollen die Präparate dann wieder an ihren Originalstandort in die Schränke kommen. Wir streben daher die Restaurierung der Schränkchen an, um den „Milbenschrein″ wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen.

Anja Friederichs schreibt außerdem über die Juwelen des Spinnenreiches.

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