Dermoplastik des Beutelwolfs im Ausstellungssaal Evolution in Aktion

Ein Job dank Beutelwolf

von Thomas Schmid-Dankward

Vergilbte Knochen in einer alten, braunen Pappschachtel, ein alter Fernseher mit einem verschneiten Stummfilm, darin läuft ein Tier in einer Endlosschleife der Verzweiflung in einem Käfig auf und ab. Daneben steht das gleiche Tier – als präpariertes Exemplar. Groß wie ein Schäferhund ist es, nur viel magerer, fast schon räudig: Es ist ein Beutelwolf, einst der größte Raubbeutler der Welt, seit den 1930ern aber ausgerottet. Schließlich noch ein blanker Schädel und ein Foto einer leeren Holzvitrine auf schwarzen Eisenfüßen, ein »Schneewittchensarg« aus den Anfangsjahren der DDR.

Zwei Stunden waren mir gewährt. Zwei Stunden, um mit diesen Requisiten den genialen Wurf zu landen, den Sechser im Lotto: einen Fulltime-Job, unbefristet und fest, als Grafiker in der Ausstellungsabteilung des Museums für Naturkunde. Bis dato war ich als freiberuflicher Grafiker mit den üblichen Auftragsschwankungen tätig. Beim Bewerbungsgespräch konnte ich überzeugen, es folgte eine Probearbeit. Das Thema hatte ich eine Woche vorher erfahren: Es war der Beutelwolf. In der Vorbereitung konzentrierte ich mich auf Flyer und Poster und war deswegen erstaunt, als ich innerhalb von zwei Stunden mit den Beutelwolf-Dingen eine kleine Ausstellung entwerfen sollte.

Mit einem großformatigen Landschaftsbild von Hügeln in Tasmanien versuchte ich die schlichte Vitrine aufzulockern. Tasmanien war der letzte Rückzugsort des Beutelwolfes, dort wurde er schließlich ausgerottet, vornehmlich von Schäfern, die um ihre Tiere fürchteten. Die schöne Dermoplastik, einer der letzten Beutelwölfe, der im Berliner Zoo verstarb, den Fernseher mit einer von wenigen noch existierenden Lebendaufnahmen und die Skelettreste stellte ich davor. Daneben platzierte ich eine Internetkonsole mit Informationen zur damaligen Ausrottungskampagne sowie zu aktuellen Versuchen, den Beutelwolf zu klonen. Für ein Poster war auch noch Zeit, dann waren die zwei Stunden rum. Sicherlich würde ich nach zwölf Jahren am Museum einiges anders entwerfen. Doch für den Job hat es gereicht. Und jeden Morgen, wenn ich am Beutelwolf im Saal Evolution in Aktion vorbeigehe, begrüße ich mein Maskottchen. Und vielleicht wird es eines Tages australischen oder koreanischen Wissenschaftlern gelingen, das Tier zu klonen und den Beutelwolf in seiner alten Heimat wieder anzusiedeln. Wer weiß?

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