Fotografie des Kiefers von Neoceratodus forsteri

Ein fotografisches Beweisstück

von Heike Hartmann

Auf dieser Fotografie von 1870 zeichnet sich der Kiefer eines Fischs ab. Dessen Name ist auf der Rückseite des Albuminpapiers vermerkt: Ceratodus forsteri. Aufbewahrt wird die Aufnahme mit einem Konvolut von Briefen, die der deutsche Zoologe Gerard Krefft aus Australien an Wilhelm Peters, den damaligen Direktor des Zoologischen Museums in Berlin, richtete. Krefft war seit 1860 am Australian Museum in Sydney tätig. Die Entdeckung des Australischen Lungenfischs, heute Neoceratodus forsteri, stellte den Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Karriere dar.

Der Australische Lungenfisch wurde von der indigenen Bevölkerung und von europäischen Siedlern in Queensland als Speisefisch geschätzt. Als William Forster, australischer Politiker und Beamter der britischen Kolonialverwaltung, ein Exemplar nach Sydney überstellte, sah sich Krefft  „einer der wichtigsten Entdeckungen der Naturgeschichte“ gegenüber, weshalb er die neue Art dankend nach Forster benannte. Bedeutend erschien Krefft die Lunge, die das Tier zusätzlich zu den bei Fischen üblichen Kiemen besitzt. Diese legte nahe, dass der Lungenfisch eine Übergangsform zwischen Amphibie und Fisch bildete. Auch die hier zu sehenden Zähne hob Krefft hervor, die die Art, im Abgleich mit paläontologischen Studien, als „lebendes Fossil“ der Gattung Ceratodus auswiesen.

Am 18. Januar 1870 erschien Kreffts Erstbeschreibung des Australischen Lungenfischs in einer lokalen Zeitung. Um seinem Fund auch unter den führenden Wissenschaftlern in Europa und den Vereinigten Staaten Geltung zu verschaffen, hatte Krefft einen handfesten Beweis zu erbringen, den üblicherweise Tierpräparate lieferten. Krefft brachte stattdessen diese Fotografie mit weiteren Aufnahmen des Typusexemplars in Umlauf, die günstig vervielfältigt und einfach verschickt werden konnten. Das Typusexemplar selbst, anhand dessen er die Art bestimmte, ist nicht überliefert, Krefft erhielt es bereits „ein wenig verstümmelt“.

Kreffts Briefe an Peters geben Aufschluss, wie schwierig es für Wissenschaftler in entlegenen Kolonialgebieten war, sich gegenüber den mächtigen europäischen Museen zu behaupten. So beginnt jener Brief vom 27. Januar 1870, in dem Krefft seine Entdeckung bekanntgab: „Lieber Professor, wann werde ich mal von Ihnen was hören …?“

Weiterlesen zum Australischen Lungenfisch können Sie in Eine merkwürdige Skulptur.

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