Gefälschte Fossilien in Baltischem Bernstein, aus der Bernsteinsammlung von Georg Carl Berendt (Danzig)

Echt falsch

von Christian Neumann

Solch kunsthandwerklich bearbeiteten Bernsteine befinden sich in der Bernsteinsammlung des Danziger Arztes Georg Carl Berendt, die zu den Schätzen des Museums für Naturkunde zählt. Obwohl die beiden Objekte im Laufe der Zeit stark nachgedunkelt sind und dabei einiges an Transparenz eingebüßt haben, erkennt man in dem einen Bernstein einen Fisch, nämlich einen Dreistachligen Stichling, Gasterosteus aculeatus, in dem anderen einen Frosch. Da es vor 55 Millionen Jahren, als der Bernstein gebildet wurde, noch gar keine Stichlinge gab, muss es sich beim ersten Objekt um eine Fälschung handeln. Auch fossile Frosch-Einschlüsse in Baltischem Bernstein sind bisher unbekannt. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit geschickte Handwerker, die sich auf die Anfertigung solcher Fälschungen verstanden. Dabei wurden mumifizierte Tiere in ausgehöhlte Bernsteine eingebracht, eine Ziernaht verdeckt die zugeklebte Öffnung.

Seit Ende des 16. Jahrhunderts lassen sich derartige Stücke in Sammlungskatalogen nachweisen. Sie wurden als Talisman am Körper getragen und sogar als Kunstkammerstücke gehandelt. Das Sammeln von Bernstein war unter den gebildeten Ständen und in Adelshäusern sehr populär und so mancher Fürst versuchte seine Konkurrenten durch besonders ausgefallene Objekte zu übertrumpfen. Da bis in das späte 18. Jahrhundert hinein die Auffassung bestand, Bernstein entstünde im Meer, mussten vornehmlich Wassertiere wie Fische oder Frösche für falsche Bernsteinobjekte herhalten. Mit der Unterscheidung zwischen Lebewesen des Meeres und des Süßwassers nahm man es dabei nicht so genau.

Schon damals zweifelte der französische Naturphilosoph George-Louis Buffon die Bildungsweise des Bernsteins als ein Produkt des Meeres an und entlarvte entsprechende „Belegstücke“ als Fälschungen. Dieser Auffassung folgte auch sein Zeitgenosse Nathanael Sendel. Er bildete in seiner Historia Succinorum von 1742 eine den unsrigen Stücken ganz ähnliche Fälschung ab, welche neben einer Fliege einen Frosch enthält. Die gleiche Machart weist darauf hin, dass unsere Bernsteinobjekte in derselben Werkstatt angefertigt wurden. Da der Herzog von Mantua 1588 zwei ganz ähnliche Objekte von einem Danziger Händler für seine allseits berühmte Wunderkammer erwarb, stammen vermutlich auch unsere Objekte aus dieser frühen Zeit.

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