Schlammprobe aus einem Brunnen in Australien, ca. 1850

Schlamm, gut verpackt

von Ingo Löppenberg

In einem Brunnen in Adelaide in Südaustralien lag eine Handvoll Schlamm. Der preußische Forscher und Auswanderer Richard Schomburgk verpackte sie in eine Holzdose mit schwarzgekränztem Deckel. Auf einem Etikett hielt er in schwungvoller Schrift Ort und Inhalt fest. Sammlung, Verpackung, Bezeichnung, mit diesem Dreischritt wurden aus Schlamm wissenschaftliche Daten, die ihre Analyse erwarteten.

Der rote, feuchte Schlamm glänzte noch, als Schomburgk die Dose verschloss, abdichtete und sie auf eine mehr als 15.000 Kilometer lange Schiffsreise sandte. Ein kleines Päckchen im globalen Wissenstransfer des 19. Jahrhunderts, dessen Ankunft in Berlin vom „Humboldt des Mikrokosmos“, Christian Ehrenberg, erwartet wurde. Reisende, Auswanderer, Kapitäne von Amerika bis Australien sowie aus Asien und Afrika sandten Daten an ihn, deren Entschlüsselung er in „Spree-Athen“ vorantrieb. Ein unaufhaltsamer, endloser, den Globus umspannender, gewaltiger Datenstrom, der letztendlich von einem einsamen Gelehrten in seinem Arbeitszimmer nicht mehr bewältigt werden konnte.

Die Schlammprobe, die Schomburgk aus Australien an Ehrenberg in Berlin sandte, blieb liegen. Weder in seinen zahlreichen Akademievorträgen noch in seinem Hauptwerk „Mikrogeologie“ fand sie, im Gegensatz zu den Sumpfproben eines anderen Sammlers aus Perth, Verwendung. 1875, ein Jahr bevor er starb, forderte Ehrenberg die wissenschaftliche Gemeinschaft Berlins dazu auf, seine Proben aufzubewahren, um diese mit neuen, noch zu entdeckenden Methoden zu erforschen und sie „wissenschaftlich frisch und rein zu verwerthen“. Noch heute warten die Proben im Naturkundemuseum zu Berlin darauf.

Mehr zu Ehrenberg unter: Mit Mikrofossilien die Zukunft vorhersagen.

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