Magnettonband mit Aufnahmen von Waldkäuzen

Die älteste Tierstimme

von Karl-Heinz Frommolt

„Kuwitt, kuwitt“ ruft es, daneben ein Rauschen und zuweilen ein Knarzen wie von Schritten. Neben dem Ruf der Waldkäuze sind deutlich die lauten Betriebsgeräusche des Gerätes auf dieser Tonaufnahme vom frühen Abend des 31. Oktober 1951 zu hören. Auch der damalige Direktor des Zoologischen Institutes, Konrad Herter, hat sich mit seinen Schritten auf dem Band verewigt. Es ist die älteste erhaltene Tierstimmenaufnahme des Museums. Mit ihr wurde der Grundstein für das heutige Tierstimmenarchiv gelegt, das mit mehr als 120.000 Aufnahmen weltweit zu den umfangreichsten Tierstimmensammlungen zählt.

Das auf eine Spule aufgewickelte Magnetband befindet sich, unscheinbar gekennzeichnet mit der Katalognummer „V3“, in einer Papierhülle. Um 1950 waren Magnettonbänder das modernste Verfahren zur Speicherung von Tonaufzeichnungen. Heute lässt sich das Band nur noch in sehr wenigen Einrichtungen, die über solche Tonbandmaschinen verfügen, wiedergeben. Die Waldkauzaufnahme wurde von Günter Tembrock mit einem speziell für das damalige Zoologische Institut gebauten Tonbandgerät erstellt. Es war mit seinen 40 Kilo Gewicht und Netzanschluss kaum für die Arbeit draußen im Gelände geeignet. Die Aufnahme, mit der das Gerät getestet wurde, galt den Waldkäuzen, die im Hof des Institutes gehalten wurden. Angelockt durch die Rufe der beiden Vögel in der Voliere kam jedoch ein Waldkauz vom Gelände des Tiergartens hinzugeflogen. Damit wurde aus der Testaufnahme von einem Fenster des Instituts eine unerwartete Freilandaufnahme.

Noch kann man das Original vom Band abspielen, doch in wenigen Jahren wird das nicht mehr funktionieren. Tonbandmaschinen werden schon seit mehreren Jahren nicht mehr hergestellt. Damit die Waldkäuze und alle nachfolgenden Aufnahmen auch zukünftig zu hören sind, wurde die Aufnahme in ein digitales Format überführt. Jetzt braucht man nur noch das Internet, um sich von der ganzen Welt aus die Aufnahme hier oder auf der Webseite des Tierstimmenarchivs anhören zu können.

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