Orographische Uebersicht von Teutschland zu Behufe der Topographisch-militairischen Charte aus dem Jahr 1807

Das ist doch die Höhe!

von Andreas Christoph

Sperriger Titel, hochkomplexer Inhalt: Orographische Uebersicht von Teutschland zu Behufe der Topographisch-militairischen Charte in 204 Blättern davon. 1807 erschien diese Karte im Verlag des „Geographischen Instituts“ in Weimar als Ergänzung zur vielblättrigen Topographisch-militairischen Charte von Teutschland.

Als Spezialbereich der Geographie beschäftigt sich die Orographie mit der Darstellung der Erdoberfläche, von Gebirgen, aber auch der Fließrichtung der Gewässer. Doch wie kann man Geländeformen ohne Farben darstellen? Die dicht aneinandergereihten Striche auf der Karte, die sogenannten Schraffen, waren im Zeitalter des Kupferstichs und -drucks die einzige Möglichkeit, die Erdoberfläche in mathematisch angenäherter Form abzubilden. Die heutige Farbskala (Berge: braun, Täler: grün) wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Es war eine verbreitete Praxis, Landkarten ‚per Hand zu illuminieren‘. Erst mit dem Steindruck konnte man auch ‚in Farbe‘ drucken.

Das hier gezeigte Exemplar der Uebersicht von Teutschland stammt aus dem Nachlass des Geologen Leopold von Buch und weist eine Besonderheit auf: Buch nutzte diese Karte, um – sich an den Gebirgsverläufen orientierend – die Verbreitung der gewachsenen Felsen wie Porphyr, Syenit, Granit, Weisstein, Gneiss (blasses Rot), basaltischen Gesteinen (kräftiges Rot), Schiefer (Türkis) und Älterem Kalk (helles Blau) darzustellen.

Die Orographische Uebersicht ist nicht so leicht zu interpretieren wie eine Karte aus heutiger Zeit oder so praktisch in der Anwendung wie Google Maps. Es fehlen die Höhenlinien und die Höhenangaben markanter Berge. Stattdessen gilt es, die Geländeschraffuren zu deuten, steile Hänge (dichte Schraffen) von flachen Hügeln (weniger dichte Schraffen) zu unterscheiden oder die Fließrichtung von Flüssen (von dünn zu dick) abzuleiten. Der Nachteil liegt auf der Hand: Das Erzgebirge oder der Thüringer Wald erscheinen steiler und höher als die Alpenregion. Man kann also mit den Schraffen nicht die absolute Höhe oder gar Höhenunterschiede darstellen. Damit muss der Kartennutzer umzugehen wissen. Erst mit der Entwicklung des Farbdrucks ab den 1820er Jahren konnte sich die Kartographie allmählich neu erfinden – wovon auch die späteren Karten Leopold von Buchs profitierten.

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