Vor 200 Jahren sammelte Georg Heinrich Langsdorff diese Fische in Japan - heute stehen die Trockenfischpräparate in Berlin

Aus der Pfanne ins Museum

von Yuko Takigawa und Tetsuo Yoshino

Diese Fische wurden vor 200 Jahren in Japan für den Kochtopf gefangen. Heute stehen sie in Berlin in einem Museumsregal. Wie kam es dazu? Im 18. und 19. Jahrhundert, dem so genannten goldenen Zeitalter der Naturgeschichte, reisten viele leidenschaftliche Entdecker und Forscher aus Europa auf der Suche nach exotischen Objekten um die Welt. Japan aber blieb ihnen verschlossen, denn das Land verfolgte damals eine strikte Abschottungspolitik; einzig die Niederlande waren als westlicher Handelspartner akzeptiert. Doch auch Russland war stark daran interessiert, Handelsbeziehungen mit Japan aufzunehmen. Zu diesem Zweck fand von 1803 bis 1806 die erste russische Weltumsegelung statt, die Krusenstern-Expedition. Auch drei Wissenschaftler nahmen daran teil, darunter Wilhem Gottlieb Tilesius und Georg Heinrich Langsdorff. Allerdings kamen sie nicht weit: 1804 bis 1805 saßen sie ein halbes Jahr in Nagasaki fest, während sie auf eine Genehmigung der japanischen Regierung warteten.

Für Langsdorff, der um die halbe Welt gereist war um naturkundliche Objekte zu sammeln, muss das frustrierend gewesen sein. Er fand jedoch eine Lösung: Der Naturforscher verlegte sich auf die Fische, die ihm zum Essen gebracht wurden! In seinem Reisebericht beschreibt Langsdorff, wie Tilesius und er ihren japanischen Koch überzeugen konnten, ihnen verschiedene Sorten rohen Fischs zu bringen. Obwohl es den Menschen in Nagasaki verboten war, engen Kontakt zu Ausländern zu unterhalten, haben offenbar nicht nur Nahrungslieferanten, sondern auch Übersetzer den ausländischen Wissenschaftlern frische Fische als Forschungsmaterial angeboten.

Die Verhandlungen zwischen Russland und Japan liefen ins Leere. Die Fisch-Präparate aber konnte Langsdorff nach Europa bringen. 1821 schenkte er dem Museum 89 dieser Exemplare. Die Präparate waren für europäische Wissenschaftler von hohem Wert, da sie erst die zweite japanische Fischsammlung in Europa darstellten. Viele der Präparate sind Typusexemplare, also die ersten ihrer Art, die wissenschaftlich beschrieben wurden, und damit auch heute noch von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Im Rahmen von Forschungsarbeiten zur Langsdorff-Sammlung reisten wir aus Japan nach Berlin, um die Sammlung zu sehen. Wir konnten uns ein Lächeln nicht verkneifen beim Gedanken daran, dass diese Fische nun hier ruhen, anstatt vor zwei Jahrhunderten in Japan gekocht oder gebraten worden zu sein.

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