Der Taiwan-Makak ist endemisch auf Taiwan, kommt also ursprünglich nur dort vor.

Affen und Bürokratie

von Kerstin Pannhorst

Ein alter Schädel, etwa handtellergroß. Oben fehlt ein Schneidezahn und auch sonst sieht er schon etwas mitgenommen aus. Vor mehr als einhundert Jahren lebte das Tier weit östlich von hier, auf der subtropischen Insel Taiwan. Diese hieß damals Formosa, schön auf Portugiesisch. Der Inselbewohner, ein Affe, wurde entsprechend Formosa-Makak getauft. Diese Tierart ist auf Taiwan endemisch, kommt also nur dort vor.

Anfang des 20. Jahrhunderts war das Interesse der Wissenschaft an einem solchen, aus europäischer Sicht exotischen Tier sehr groß. Der deutsche Biologe Hans Sauter zog 1902 nach Taiwan, um die dortige Fauna zu erforschen. Er sammelte Tiere, besonders Insekten, und schickte sie an verschiedene Forschungseinrichtungen, unter ihnen auch das heutige Museum für Naturkunde. Dieser Makak kam 1910 in Berlin an. Auch damals durften Tiere in Taiwan nicht einfach so geschossen werden. Um Säugetiere und Vögel erlegen zu dürfen, benötigte man eine naturalist’s shooting license. Da Taiwan zu der Zeit japanische Kolonie war, musste diese beim japanischen Generalgouvernement beantragt werden. Dieses verlangte ein Empfehlungsschreiben. Sauter wandte sich deswegen 1907 an August Brauer, den damaligen Direktor des Zoologischen Museums Berlin: „Ich gebe Ihnen die Versicherung, dass ich dieselbe nicht missbrauchen werde, dass die Ausbeute nur für wissenschaftliche Zwecke bestimmt und irgendeine Massenmörderei (…) nicht beabsichtigt ist.“

Brauer schickte das Empfehlungsschreiben und Sauter beantragte die Lizenz – für seinen Präparator. Diesem wurde die Schießerlaubnis jedoch verweigert. Grund dafür war ein Formfehler in seinem Geburtsschein, der erst zu Beginn der Schulpflicht ausgestellt wurde. Sauter berichtete nach Berlin: „Nun betrachtet ihn das Generalgouvernement von Formosa als minderjährig und verweigert ihm die Schiesserlaubnis, trotzdem er Schulzeugnisse aus dem Jahre 1888 vorlegte und trotzdem er in Yokohama schon vor 4 Jahren die erste Schiesserlaubnis erhalten hatte.“ Bevor er diesen Makak zur Untersuchung nach Berlin senden konnte, musste Sauter also Geduld mit der Bürokratie aufbringen: „Glücklicherweise wird er (der Präparator) im Oktober auch offiziell zwanzig Jahre alt; wenn bis dahin den Herren des Generalgouvernements nicht ein neuer Trick einfällt, so ist mir also im Oktober die Erlaubnis sicher.“

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