Dieses 3-D-Modell des fossilen Bartenwals Megaptera hubachi ist mithilfe der Photogrammetrie entstanden

3D-Kopf mit Beule

von Julia M. Fahlke und Oliver Hampe

Sechsundneunzig Fotos, mehr brauchte es nicht. Dank des anhaltenden Fortschritts in der Computertechnologie ist es heutzutage möglich, mit relativ geringem Aufwand hochauflösende dreidimensionale Modelle von Objekten herzustellen. Das Verfahren dazu nennt sich Photogrammetrie. Für ein 3D-Objekt nehme man sich das Objekt der Begierde und mache Fotos aus allen nur erdenklichen Richtungen. Diese Fotos lädt man in ein entsprechendes Programm und den Rest macht – wenn man Glück hat – der Computer. In diesem Fall handelt es sich um den Schädel des fossilen Bartenwals Megaptera hubachi. 

Doch wozu das alles? Untersuchungen! Messungen! Vergleiche! Anstatt den gut 1,50 m langen versteinerten Schädel herum zu wuchten und zu riskieren, dass er dabei zerbricht, kann der Paläontologe nun seine Messungen bequem am Rechner durchführen. Zudem ist das Originalfossil derzeit gar nicht zugänglich: Aufgrund von Baumaßnahmen wurde es auf unbestimmte Zeit in Kisten verpackt und eingelagert. Da bleibt einem nur, sich das 3D-Modell anzuschauen.

In den aktuellen Untersuchungen geht es darum herauszufinden, ob Bartenwale symmetrische oder asymmetrische Schädel haben, bzw. ob sie diese im Laufe ihrer Entwicklung immer schon hatten. Eine Frage dabei ist, ob Schädelasymmetrie, also eine ungleiche Position der Ohrgehäuse auf beiden Körperseiten, mit den Frequenzen zusammenhängt, die Wale hören können. Dazu wird der Schädel von Megaptera, der aus dem frühen Pliozän stammt und somit mehrere Millionen Jahre alt ist, mit modernen und ausgestorbenen Bartenwalen verglichen. Auf den ersten Blick zumindest scheint dieser Schädel ja recht symmetrisch auszusehen. Naja, nicht ganz: Da ist eine auffällige Beule am Hinterkopf, auf der linken Seite. Was ist da geschehen?

Wie sich anhand von Röntgenaufnahmen des Originalschädels herausstellte, handelt es sich dabei nicht etwa um eine Verletzung oder eine Muskelansatzstelle, sondern vielmehr um einen gutartigen Tumor: ein so genanntes Osteom. Das ist das erste Mal überhaupt, dass ein solcher Knochentumor bei einem Wal nachgewiesen wurde. Eine echte Rarität also!

Das 3D-Modell des Megaptera-Schädels verdeutlicht, wie wichtig Digitalisierung sein kann, um paläontologische Funde für weitere Beforschung und gegebenenfalls auch für ihre Ausstellung dauerhaft zugänglich zu machen.

3D Ansicht des Schädels herunterladen (ca. 36 MB, zum Betrachten der 3D-Ansicht ist der kostenlose Adobe Acrobat Reader notwendig)

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